Qualitätszirkel- EEG

-Protokoll-


  

Epilepsie des Kindes- und Jugendalters
Reutlingen-Tübingen-Zollernalb

Der Qualitätszirkel besteht seit 1996
Sitzung vom  09.05.05  um 20-22.30 Uhr 
Moderation: Dr. W. Deigendesch, Metzingen
Ort:  Univ-Kinderklinik Tübingen
     
Thema: Fallbesprechungen schwieriger Epilepsien
   

Ergebnis:
Kurzbericht über die Tagung der Epilepsieliga in Innsbruck. Fr. Dr. Dette-Schaudt konnte keine besonderen Highlights berichten. Kepra für die i.v. Anwendung soll 2006 kommen.
Vagusnervstimulation wird bei Kindern recht wenig angewendet.
Kurzdiskussion über Tavor expidet als Notfallmedikament bei größeren Kindern und Jugendliche. Die Wirksamkeit ist nicht eindeutig nachgewiesen; insbesondere beträgt die Zeit bis zum Eintritt der Wirkung bis zu 40 Min., was für den Einsatz im Notfall zu lang ist. Trotzdem wird das Med. off label eingesetzt, da die rektale Gabe von Diazepam in der Öffentlichkeit oft nicht praktikabel ist. Man sollte Tavor exp. jedoch kritisch sehen und sich nicht wundern, wenn es nicht sofort wirkt.

1. (Fr. Dr. Dette-Schaudt) 
10 jähr. Mädchen
Schwerstbehindert, Z.n. Frühgeburt, Hydrocepahlus durch Subarachnoidalyste, mehrere Shuntrevisionen, Z.n. Mittelhirneinklemmung, schwere, therapieresistente Epilepsie, auch durch mehrere Kombinationen von AED nicht anfallsfrei. Zeigt immer wieder Lachsalven-> Anfälle? Im EEG kein iktuales Muster.
Fragestellung
: Diskussion der Therapieoptimierung. Die Pat. soll in Tübingen stationär aufgenommen werden. Möglichkeiten evtl. durch Ausdosieren von VPS, evtl. Topiramat. Wegen der Spastik soll die Möglichkeit einer Baclofenpumpe diskutiert werden.

2. (Fr. Dr. Dette-Schaudt) 
3 jähr. Madchen
mit familiärem Westsyndrom (2 Kinder), keine Ätiologie bekannt, hatte auf Steroidpulstherapie zunächst gut angesprochen, jetzt Rezidiv, Steroide nicht mehr wirksam.
Fragestellung:
Weitere Therapiemöglichkeiten? In der Diskussion wurden außer Kepra keine weiteren Möglichkeiten sichtbar. Es sollte eruiert werden, ob überhaupt eine medikamentöse Therapie notwendig ist.

3. (Dr. Czempiel)
4 jähr. Junge
Entwicklungsverzögerung, Epilepsie mit Absencen, myoklon.-astat. und ton. Anfällen (Lennox-Gastaut-Syndrom?). Durch mehrere Kombinationen der Therapie nicht anfallsfrei.. Z.Zt. mit PRI+VPS besser.
Fragestellung: Weitere Therapiemöglichkeiten werden diskutiert

4. (Dr. Czempiel) 
7 jähr. Mädchen
Bisher 1 Anfall mit Sturz. Im EEG unter HV hsP, im Schlaf ebenfalls, re beginnend.
Fragestellung: Therapie notwendig? Sollte nach der Diskussion unter Kontrolle der Entwicklung eher abgewartet werden.

5. (Dr. Koch)  
4 jähriges Mädchen
Bisher gesund, fällt 2-4x/Woche plötzlich um, steht sofort wieder auf.
Fragestellung: EEG-Beurteilung -> hsP oder hypnagoge Spikes? Die Diskussion wertet mehr als ein nicht epileptisches Geschehen, weitere Untersuchungen notwendig.
 
6. (Dr. Koch) 
4 jähr. Kind
Ehem. Frühgeburt, leicht retardierte Entwicklung. Jetzt Kopf nach hinten gestreckt, kurze Bewusstlosigkeit. Im EEG Fokale hsP. Bekommt jetzt Sultiam.
Fragestellung: Wie sicher ist die Diagnose Epilepsie? Diff.diagnose Reflexsynkope? Sultiam sollte weiter gegeben werden ; wenn nicht wirksam, Diagnose überprüfen !

7. (Dr. v. Puttkamer)  
8 jähr. Junge
Verlaufsbericht über bekannten Jungen mit RF (vermutlich Gangliom) und Temporallappenepilepsie. Die Eltern haben sich gegen eine operative Therapie und auch gegen weitere diagnostische Maßnahmen entschieden, da klinisch bisher keine Verschlechterung. Es wurde diskutiert, die Eltern doch noch wenigstens zu einer Kontrolle der MRT zu bewegen, um die weitere Prognose abschätzen zu können.

8. (Dr. Deigendesch)
10 jähr. Junge
Komplexe Symptomatik mit ADHS-Symptomen und Tics. Klinisch keine eindeutigen epileptischen Anfälle. Sind Tics vielleicht Anfälle? Woher kommt die ADHS-Symptomatik? Im EEG hsA temporal. Versuch mit AED brachte zunächst keine klinische Veränderung.
Fragestellung: Zweifel an der Diagnose Epilepsie. Langzeit-Video-EEG in der Klinik zeigt aber viele nächtliche Anfälle im Schlaf mit geringer sichtbarer Klinik. Epilepsiediagnose damit gesichert, ADHS-Symptome evtl. durch stark gestörten Nachtschlaf. AED deshalb sinnvoll, wird mit Sultiam durchgeführt. Ergebnis noch offen.
 
Zeitpunkt und Thema des nächsten Treffens:  Montag, 19.09.05 in der Praxis Dr. Koch in Albstadt-Ebingen