Qualitätszirkel- EEG

-Protokoll-


  

Epilepsie des Kindes- und Jugendalters
Reutlingen-Tübingen-Zollernalb

Der Qualitätszirkel besteht seit 1996
Sitzung vom  21.01.2003 um 20-22 Uhr 
Moderation: Dr. W. Deigendesch
Ort:  Praxis Dr. Deigendesch, Metzingen
    
Thema: Fallbesprechungen schwieriger Epilepsien

1. (Dr. v. Puttkamer) 
5 jähriger Junge mit Anfällen seit 1 Jahr, fokal rechtsseitig. Verzögerte psychomotorische Entwicklung mit 1-2 Jahren, jetzt altersgemäß. EEG: SW-Fokus links. Bisher keine Therapie. Frage: Therapie erforderlich ?
Da vermutlich eine benigne fokale Epilepsie vom Rolandityp vorliegt und die Anfälle selten sind und eher nachts auftreten, ist eine Therapie nicht zwingend. Bei beunruhigten Eltern kann jedoch eine med. Therapie mit Sultiam gerechtfertigt sein.

2. (Dr. Wolff) 
Bei einem 5 jährigen Mädchen mit Hemisymptomatik rechts, fokalen, prolongierten Anfällen li. Seit dem 1.Lebensjahr und einer ausgeprägten orofacialen Dyspraxie liegt eine fokale Pachygyrie links vor. Im EEG fast kontinuierliche SW-Tätigkeit über der ganzen li. Hemisphäre. Jetzt zunehmendes Auftreten von Hirndruckzeichen (Stauungspapille, LP Druckerhöhung), jedoch selten epileptische Anfälle unter CBZ. Diagnose eines Pseudotumors cerebri. Frage: weiteres Vorgehen?
Medikamentöse Therapie mit Diamox, Kontrolle der Stauungspapille, evtl. Dekompression des Sehnerv. Eine chirurg. Intervention bei sehr schmalen Liquorräumen z.Zt. nicht opportun.

3. (Dr. Wolff) 
7 jähriges Mädchen mit Z. n. Hirnblutung in der 5.Lebenswoche unklarer Genese zeigt jetzt eine Gliose im früheren Blutungsgebiet. Fokale Epilepsie mit protrahierten Hemigrandmaux. Anlässlich einer 24 Stundenableitung des EEG´s wird jetzt ein Hemigrandmal von 30 Min. abgeleitet, der klinisch nur kurz dauert un d milde verläuft. Therapie mit Lamictal und Frisium, wobei Frisium eine deutliche Besserung der Anfallssituation brachte.

4. (Dr. Deigendesch) 
9 jähriges Mädchen mit Pyknolepsie seit ca. 1 Jahr. Therapieresistent auf VPS und ETH, sowie die Kombination beider. Der Versuch mit LTG und VPS scheint jetzt eine Besserung der Anfälle zu bewirken. Der Verlauf soll beobachtet werden.

5. (Dr. Koch) 
23 jähriger Mann mit leichter geistiger Behinderung, seit 12 Jahren anfallsfrei, aber wegen früherer Absencen mit ETH noch behandelt. Im EEG unter Fotostimulation generalisierter Grand Mal. Frage: Therapie ?
Da ETH bei GM nicht wirksam und der Patient seit 12 Jahren anfallsfrei ist, erscheint eine Beendigung der Therapie möglich. Auf die Fotosensibilität sollte aber hingewiesen und er Pat. Überwacht werden.

6. Allgemeine Diskussion 
über die Akutbehandlung eines GM bei großen Jugendlichen und Erwachsenen, bei denen die rectale Verabreichung von Diazepam in der Öffentlichkeit nicht zumutbar ist.
Es gibt wenig und bisher unzulängliche Möglichkeiten einer Anfallsunterbrechung durch Laien. Möglich wäre: Tavor Tbl. Sublingual, jedoch ist ein verzögerter Wirkungseintritt zu beachten. Es wurde über die Möglichkeit berichtet, die parenterale Zubereitung von Dormicum intranasal über Nasenspray anzuwenden. 1 Hub entspricht 0,75 mg Dormicum. Bei den Pharmafirmen soll die Entwicklung eines Fertignasensprays angeregt werden.

Zeitpunkt und Thema des nächsten Treffens:
Montag 31.03.03, 20 Uhr, Praxis Dr.Tomaschek, Bad Urach