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Asthma und Allergie im Kindesalter
8. Sitzung vom 11. 05.
2004 - 20-22 Uhr
Moderation: Dr. H. Dette-Schaudt
Ort der Veranstaltung: KV, 2. Sitzungssaal
Thema: Diagnostik und Therapie der Kinder mit Asthma und Allergie in der kinderärztlichen Praxis
Beginn der Veranstaltung mit der Begrüßung und einem Bericht vom gemeinsamen Treffen des QZ Asthma in Tübingen im April. Die Mitglieder des QZ wollen in Zusammenarbeit mit dem „Schnauferl-Club“ eine Asthma-Schulung für Jugendliche im Alter von 13-16 Jahre durchführen und fragen an, ob es potenzielle Kandidaten in den Praxen gibt.
Bei der Diskussion wurde angemerkt, dass Patienten in diesem Alter keinen Bock auf Schulungen haben und deshalb sehr schwer zu motivieren sind. Berichtet wurde von Dr. Wolff in Pfullendorf, der seine Jugendlichen abends in der Kneipe beim Billard schult. Die Schulungen in Davos und Amrum würden gut funktionieren, da die Jugendlichen dort zur Kur sind und eher am Programm teilnehmen als zu Hause.
Dr. Fehr plädiert für eine Schulung vor Ort und findet den Weg nach Tübingen zu weit, um Eltern und Jugendliche zu begeistern. In Nürtingen wäre ein Haus extra für (Asthma-) Schulungen angemietet worden, berichtet Dr. Schneck.
Wir verblieben so, dass ein Faltblatt die Patienten informieren soll und dann der Bedarf eher ermittelt werden kann. Ich werde mit den Tübinger Ärzten Kontakt aufnehmen.
1. Fall von Dr. Fehr:
13 jähriges Mädchen mit Thoraxschmerzen, Familie problematisch, Frage nach psychischer Überlagerung. Schon 2x stationär behandelt wegen Atemnot und nach 3 Tagen Cortison wieder stabil. Die Freundin wurde einmal gleichzeitig stationär aufgenommen mit der gleichen Symptomatik.
Auskultatorisch war wenig zu hören, deshalb wurde eine Lungenfunktion durchgeführt, die eine leichte Obstruktion zeigte. Sie war über längere Zeit mit Theophyllin stabil. Erst später wurde bekannt, dass der Vater raucht, dennoch hatte sie vielleicht auch einen sekundären Krankheitsgewinn. Jugendliche rauchen auch oft selbst trotz ihrer Erkrankung und sind den Argumenten schwer zugänglich.
2. Fall Dr. Deigendesch:
Asthma als psychosomatische Erkrankung ist bei einem Mädchen deutlich geworden, das ein allergisches Asthma hatte. Die allein erziehende Mutter hat immer geraucht, eine Katze war im Haus und die Therapie gestaltete sich schwierig. Oft kam es zu stationären Aufenthalten und zu Asthma-Anfällen, die ambulant behandelt werden konnten. Dabei wurde der Mutter gedroht, „sie bringen ihr Kind um!“. Im Alter von 24 Jahren war die Todesanzeige zu lesen, sie hatte Suizid begangen.
Wie kann man die Zusammenhänge zwischen Krankheit und der Fürsorgepflicht durch die Eltern klarstellen.
„Solange sie rauchen, behandele ich ihr Kind nicht!“ Oder versucht man immer wieder, die Ursachen zu erklären.
3. Fall Dr. Dette-Schaudt:
Jetzt 16jähriges Mädchen, seit 3 Jahren in meiner Behandlung, nachdem sie mit schwerem Asthma in der Klinik stationär behandelt worden war. Die Mutter war 2 Jahre zuvor gestorben und der Vater überfordert mit der Jugendlichen und der Krankheit. Es gab mittags kein warmes Essen und das Kind war sich selbst überlassen. Mit optimaler Therapie kam es nicht wieder zu stationären Aufenthalten. Jedoch ist der Vater immer wieder mit wechselnden Frauen liiert, die eigene Kinder haben und diese vorziehen. Der psychische Druck auf das Mädchen ist erheblich und führt jetzt zum Schulabbruch. Obwohl sie in einer anderen Stadt lebt, kommt sie immer wieder hierher und trifft sich mit ihren Freunden, raucht und übernachtet bei verschiedenen Personen. Ein ernstes Wort mit dem Vater führt jetzt hoffentlich dazu, dass ein Internat gesucht wird.
4. Fall Dr. Fehr:
13 jähriger Junge mit Adipositas wollte abnehmen. Die Diät führte dazu, dass er nicht weiter zugenommen hat, aber nicht abnahm. Im Sport schnaufte er immer so schwer, was auf das Gewicht zurückgeführt wurde.
Im Frühjahr hatte er Heuschnupfensymptome.
Dann kam es nach einem Fest im Freien zu einem akuten Asthma-Anfall mit Atemnot, was erst 3 Tage später zum Arzt führte. Bei der Auskultation waren kein Atemgeräusch zu hören, die O2 -Sättigung lag bei 89% und besserte sich nach Inhalation nicht. Erst die Gabe von 250mg Decortin und Theophyllin stabilisierte den Zustand, der Junge erholte sich
rasch in der Klinik. Er kam mit Atrovent- und Salbutamol-Inhalationen zurück. Diese Patienten können rasch versterben und müssen so schnell wie möglich suffizient behandelt werden.
Die Obstruktion der Atemwege ist oft Grund für die Bewegungsarmut mit nachfolgender Adipositas. Die Kinder sind brav und sitzen am Tisch, sie husten beim Rennen und rennen deshalb nie. Bewegung ist wichtig, da Kinder einen natürlichen Bewegungsdrang haben, der einer Adipositas vorbeugt.
Zur Therapie berichte ich über ein 7 jähriges Mädchen, das seit 2 Jahren Viani genommen hat und jetzt die Empfehlung bekam, Viani nur noch bei Bedarf zu nehmen. Salmeterol ist nicht als Notfallmedikament zugelassen, im Gegensatz zu Formeterol.
Singulair ist ab 6 Monaten zugelassen mit gutem Erfolg bei 2 Kindern, die ich selbst betreue. Dr. Wolf berichtet über Kinder mit Dauerhusten, die nach Gabe von Singulair nach 48 Stunden beschwerdefrei waren.
Cetirizin auch bei Asthma während des Pollenflugs geben um einen „Absturz“ zu vermeiden.
Zu den OTC- Medikamenten gehören alle Antiallergika, was 12jährige mit Heuschnupfen sehr trifft. Die Unterschriftenlisten sollen abgegeben werden.
Inhalationshilfen:
Für Babies eignet sich der Babyhaler mit dem besten Wirkungsgrad.
Volumatic und Rondo sollten nicht mehr verordnet werden, sondern der Aerochamber für Kleinkinder und für Schulkinder. Neu ist der Vortex von Pari, der ein angenehmes Design zeigt und ebenso gut ist wie der Aerochamber.
Asthmaschulung bei Dr. Henes am 17. und 24. Juli, Neurodermitis-Schulung im Juni in der Klinik und Asthma-Schulung in den Herbstferien in der Klinik.
Ende der Sitzung: 22 Uhr
Das nächste Treffen ist am 6.7.2004 in der KV.
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